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Rückenschmerzen

fast jeder leidet im Laufe des Lebens einmal an Rückenschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule, Brustwirbelsäule oder der Schulter-Nacken-Kopf-Region.

Bei den meisten Menschen verschwinden diese Schmerzen durch Ruhe, Krankengymnastik, medikamentöse oder physikalische Behandlungen wieder über einen tolerablen Zeitraum. Viele „Rückenpatienten“ leiden jedoch nicht nur unter sogenannten funktionellen Störungen der Bewegungselemente, sondern unter echten Verschleißerscheinungen des Bandapparates, der Wirbelgelenke, der Muskulatur, oder der Bandscheibe selbst.

In hartnäckigen Fällen drückt diese sogar auf das umgebende Nervengewebe, was zu unerträglichen Bein- oder Armschmerzen führt und sich im weiteren Verlauf sogar Gefühlsstörungen oder Lähmungserscheinungen einstellen können.

Durch psychosoziale Belastungen, falsche Schonung oder unzureichende Behandlungsmethoden kann das Wirbelsäulenleiden verschleppt werden, der Schmerz wird chronisch.

Das Phänomen Schmerz ist mit zeitlicher Fortdauer eine subjektive Wahrnehmung des Menschen, die ihn sowohl in seiner beruflichen Tätigkeit als auch in der Ausübung privater Freizeitgestaltung in erheblichem Maße einschränken kann.

An der Entstehung und Verarbeitung des Schmerzprozesses sind zwar verschiedene Organsysteme (z. B. Knochen, Muskulatur, Gefäße) beteiligt, in erster Linie erfolgt die Weiterleitung der schmerzhaften Impulse jedoch über Nervenfasern, die an unterschiedlichen Orten involviert sein können. Die Komplexität des Schmerzgeschehens erfordert zunächst eine umfassende Diagnostik, um die Ursache herauszufinden.

Diagnostik bei Rückenschmerzen

Einen wesentlichen Beitrag zur Ursachenforschung der Rückenschmerzen kann der Patient leisten, indem er genaue Angaben über Art und Umfang sowie eventuelle Vorbehandlungen macht. Dies geschieht heutzutage sinnvollerweise über einen mehrseitigen Schmerzfragebogen, welcher bereits vor dem ersten Arztgespräch ausgefüllt wird.

Anschließend erfolgt die körperliche Untersuchung, wobei in erster Linie versucht wird, Bewegungseinschränkungen zu objektivieren und eventuell vorliegende neurologische Defizite (Gefühlsstörungen bzw. Lähmungen) auszuschließen.

Mithilfe des Röntgen, der Computertomographie oder der Kernspintomographie (MRT) lassen sich jeweils Informationen über strukturelle Veränderungen der Wirbelsäule ermitteln.

Eine Aussage zu funktionellen Schäden erhält man durch die Messung von Nervleitgeschwindigkeiten, evozierten Potenzialen (Stromreize, die über Elektroden abgeleitet werden) und der Elektromyographie (Messung der Funktionalität der Muskeln). Anschließend kann dann ein abgestufter Therapieplan aufgestellt werden und gegebenenfalls die gemeinsame Versorgung durch verschiedene Fachärzte erfolgen.

Die häufigsten Ursachen für Rückenschmerzen

Das Myofasziale Schmerzsyndrom mit hartnäckigen Muskelverspannungen im Bereich der Wirbelsäule, Hals-Nacken-Region, Schulter-Arm-Schmerzen und Spannungskopfschmerzen.

Segmentale Dysfunktionen der gesamten Wirbelsäule von der Hals-/Kopfregion bis zum Kreuzdarmbeingelenk (Iliosakralgelenk) mit Blockierungen (Unterbeweglichkeit) der Wirbelsäule und des umgebenden Bandapparates.

Wirbelgelenksfacettensyndrom mit Schmerzen im Bereich des gesamten Rückens, der körperstammnahen Extremitätenanteile und der Leisten- und Gesäßregion; hervorgerufen durch Verschleißerscheinungen der Wirbelkörper und der Wirbelgelenke sowie Einengung der Nervenaustrittskanäle.

Bewegungsabhängige Rückenschmerzen durch das sogenannte Wirbelgleiten (Listhesis) führen zu einer zeitweisen Instabilität mit entsprechender Reizung der Nervenwurzel und Wirbelgelenke.

Nervenwurzelkompressionssyndrome mit Schulter-Arm-Schmerz, Brustwirbelsäulen- und Lendenwirbelsäulenschmerzen sowie „Ischiasbeschwerden“, Kribbeln und Taubheit; hervorgerufen durch Bandscheibenvorwölbungen oder Vorfälle, die einen Druck auf das Rückenmark bzw. die Nervenwurzel ausüben, so dass sich Lähmungserscheinungen und Gefühlsstörungen einstellen.

Der bandscheibenbedingte (diskogene) Rückenschmerz durch Verschleißerscheinung des Bandscheibenkernes und des umgebenden Faserringes mit Stimulation der Schmerzkörperchen im hinteren Teil der Bandscheibe und des umgebenden Bandapparates.

Das Postnukleotomiesyndrom, d.h. ziehende Rückenschmerzen nach Wirbelsäulenoperationen; hervorgerufen durch narbige Verwachsungen, Reizung der Wirbelgelenke, Wirbelgleiten oder entzündliche Vorgänge.

Chronische Schmerzsyndrome im Bereich der gesamten Wirbelsäule, die ihre Ursache in Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis, der Osteoporose, der sogenannten Fibromyalgie oder tumorbedingten Absiedlungen haben.

Behandlungsmöglichkeiten bei Rückenschmerzen

Durch die vielfältigen Ursachen des Rückenschmerzes ergeben sich auch verschiedenartige Angriffspunkte für eine wirksame Behandlung von Rückenschmerzen.

Medikamentöse Therapie

Die größte Wirksamkeit bei unkomplizierten Rückenschmerzen weisen Medikamente auf, die dem entstandenen Entzündungsprozess entgegenwirken (Antiphlogistika). Des Weiteren kommen zentralwirksame Analgetika (Opioide) zum Einsatz, die direkt Schmerzrezeptoren im Rückenmark und Gehirn blockieren. Dadurch gibt es die Möglichkeit, das so bezeichnete Schmerzgedächtnis zu modulieren bzw. gar nicht erst entstehen zu lassen. Hierbei unterscheidet man schwach potente bzw. stark wirksame Opiate.

Leider existieren auch heutzutage noch viele Vorurteile gegen die Einnahme solcher Präparate. Die größte Angst betrifft die Gefahr einer sich entwickelnden Abhängigkeit. Bei fachgerechter Anwendung der Opioide besteht jedoch kein Anlass, eine Suchtgefahr zu befürchten.

Voraussetzung hierfür ist ein festes Dosierungsschema, das zu einer guten Schmerzlinderung führt. Die Darreichungsform dieser Präparate sind vielfältig: Neben Tabletten, Kapseln, Trinklösungen, Pflastern und Injektionen kann das Medikament auch über Pumpensysteme, die mit Kathetern verbunden sind, zeitlich exakt gesteuert an den Wirkungsort gebracht werden. Wichtig ist, dass nur sogenannte Retard-Präparate zum Einsatz kommen, die eine Wirkdauer von 8 bis 24 Stunden aufweisen und somit nur 1- bis 2-mal täglich eingenommen werden müssen. Ein weiterer Vorteil von Opioiden ist ihre fehlende Organtoxizität, das heißt, primär findet keine Schädigung von Leber oder Niere statt.

Bei begleitenden Nervenreizungen kommen Antikonvulsiva zum Einsatz, welche die Weiterleitung schmerzhafter Impulse verhindern. Die medikamentöse Palette wird durch Substanzen ergänzt, die in erster Linie zur Stimmungsaufhellung Anwendung finden (Antidepressiva), durch verschiedene Mechanismen aber zusätzlich die Schmerzwahrnehmung auf der Ebene von Gehirn und Rückenmark reduzieren.Je nach Ausprägung des Schmerzcharakters werden die vorgenannten Präparate einzeln oder in Kombination eingesetzt.

Interventionelle Methoden bei Rückenschmerzen

Hierunter versteht man Verfahren, die in der Regel völlig ohne Einsatz eines Skalpells auskommen. Eine der bewährtesten Therapiemaßnahmen innerhalb dieser Behandlungsgruppe ist die sogenannte Facettendenervation. Sie ist für Patienten mit ständig anhaltenden oder immer wiederkehrenden Rückenschmerzen geeignet, ganz gleich, ob durch Fehlstellung, Instabilität, Verschleißerscheinungen oder gar nach einer Bandscheibenoperation.

Die Ursache liegt in einer chronischen Reizung der Nervenfasern in den kleinen Wirbelgelenken (Facettensyndrom). Um diese Diagnose zu sichern, werden in einer ersten Sitzung die betroffenen Nerven zunächst nur örtlich betäubt. Im Erfolgsfall wird der Eingriff zur längerfristigen Wirkung über eine Thermokoagulation wiederholt.

Bei dieser Behandlung werden die schmerzleitenden Nervenfasern in den kleinen Wirbelgelenken mit einer dünnen, computergesteuerten Hitzesonde verödet, damit sie keine Schmerzsignale mehr an das zentrale Nervensystem weiterleiten können.

Der Patient ist, je nach Schweregrad seines Krankheitsbildes für durchschnittlich eineinhalb Jahre deutlich schmerzgelindert oder sogar schmerzfrei. Bei Wiederauftreten der Beschwerden kann die vorgenannte Maßnahme, welche sich durch die Art ihrer Durchführung fast als komplikationsfrei bezeichnen lässt, jederzeit ambulant wiederholt werden.

Eine weitere bedeutsame Entwicklung in der Behandlung von Bandscheibenschäden ist die Disc-Nucleoplastie. Hierbei wird nach einer örtlichen Betäubung zunächst eine dünne Nadel unter Röntgenkontrolle zum Zentrum der betroffenen Bandscheibe vorgeschoben. Anschließend wird durch die Führungskanüle eine Sonde eingeführt, deren Spitze über Radiowellen ein Wärmefeld von ca. 60 Grad erzeugt und somit Teile des Bandscheibengewebes zerstört.

Nach einigen Tagen ist das Volumen der Bandscheibe so weit geschrumpft, dass sich für den Patienten der Druck auf die Nervenwurzel spürbar verringert und oftmals eine offene Operation vermieden werden kann. Dieses Verfahren kommt jedoch nur für Bandscheibenvorwölbungen (Protrusio) oder kleinere Bandscheibenvorfälle (Prolaps) in Betracht.

Durch eine Periradikuläre Therapie (PRT) ist gezielte Hilfe bei einem eingeklemmten Nerv aufgrund eines Bandscheibenvorfalls möglich. Hierbei wird unter röntgen- oder computertomographischer Kontrolle eine feine Nadel in der Nähe der betroffenen Nervenwurzel navigiert und zielgenau Medikamente zur Abschwellung und Entzündungshemmung injiziert.

Wenn in mehreren Etagen der Wirbelsäule Bandscheibengewebe auf die Nervenstruktur drückt, empfiehlt sich eine Sakralblockade. Bei dieser Prozedur wird die Nadel vom Steißbein aus in die untere Öffnung des Rückenmarkkanals eingeführt und anschließend ebenfalls mit abschwellenden und schmerzblockierenden Substanzen beschickt.

Des Weiteren können gezielte Infiltrationen (medikamentöse Substanzeinspritzungen) an das Kreuz-Darmbeingelenk (Iliosakralgelenk) oder den Bandapparat der Wirbelsäule vorgenommen werden.Die vorgenannten Techniken zeichnen sich jeweils durch äußerst geringe Komplikationsquoten und Belastungsfreiheit für den Patienten aus. Gezielte Spritzen in die Triggerpunkte der Muskulatur – hierbei handelt es sich um teilweise bereits verhärtete Gewebeabschnitte, die durch chronische Verspannungen der Muskulatur entstanden sind – gehören ebenso ins Behandlungsrepertoir.

Operative Verfahren bei Rückenschmerzen

Standardverfahren bei nicht erfolgreicher konservativer Behandlung von Bandscheibenvorfällen ist immer noch die „offene“ Entfernung des Gewebes, welches auf die Nervenwurzel drückt und gegebenenfalls die Befreiung der Nervenwurzel von knöchernen Umbauten.

Sind mehrere Segmente der Wirbelsäule betroffen, können eventuell stabilisierende Eingriffe inklusive des künstlichen Bandscheibenersatzes (Prothese) notwendig werden. Diese Verfahren sind jedoch derartig im Fluss der Entwicklung, dass jährlich neue OP-Variationen beschrieben werden und deshalb an dieser Stelle nicht näher erläutert werden.

Falls sich Patienten bereits mehrfach einer erfolglosen Wirbelsäulenoperation unterzogen haben, kann die elektrische Reizung der Rückenmarkshaut (Neurostimulation) Hilfe bringen. Hierbei wird das Nervensystem einerseits über eine sogenannte Gegenirritation „abgelenkt“, andererseits kommt es auch zur Ausschüttung körpereigener Schmerzhemmstoffe.

Begleitende und alternative Behandlungsformen bei Rückenschmerzen

Stellvertretend für sinnvolle Therapieergänzungen sei hier auf die krankengymnastische Übungsbehandlung und ein gezieltes Muskelaufbautraining hingewiesen.Außerdem führt örtliche Wärmeanwendung (z. B. Infrarottherapie, Saune, Fangopackung) über eine Entspannung der Muskulatur oftmals zu deutlicher Schmerzlinderung.

Das mittlerweile innerhalb der westlichen Schulmedizin bekannteste Verfahren aus der Traditionellen Chinesischen Medizin ist die Akupunktur. Philosophische Grundlage ist hier die Vorstellung, dass bei Schmerzen die energetische Harmonie des Körpers gestört ist und durch oberflächliches Setzen von feinsten Nadeln auf die Haut, entlang definierter Punkte der Meridiane (Leitbahnen), der Fluss der Lebenskraft wieder korrigiert werden kann.

Vorbeugung von Rückenschmerzen

Menschen mit vorwiegend sitzender Tätigkeit verbringen bis zu 87% Ihrer Lebensarbeitszeit in dieser Haltung. Eine richtige Sitzhaltung ist deshalb von großer Bedeutung, um Schäden der Wirbelsäule rechtzeitig vorzubeugen bzw. zu verhindern. Eine der wichtigsten Präventionsmaßnahmen ist das Üben der physiologisch „richtigen“ Sitzhaltung. Diese kann man nur erreichen, wenn die Stuhl- und Tischeinstellung an die eigene Körpergröße angepasst ist.

Um verschleißbedingte Veränderungen an den Bandscheiben zu reduzieren, ist eine gute Hebe- und Tragetechnik unerlässlich. Beim Anheben eines 50 kg-Gewichtes mit krummen Rücken lastet auf den unteren Lendenbandscheiben etwa das Gewicht eines Kleinwagens.

Perspektive bei Rückenschmerzen

Zusammenfassend ist bei Rückenschmerzen ein abgestuftes individuelles Vorgehen bei Diagnostik und Therapie unerlässlich. Oberstes Ziel einer wirksamen Wirbelsäulentherapie sollte die Vermeidung sowohl unnötiger Operationen als auch das Hinauszögern notwendiger Eingriffe sein.

Als äußerst effizient haben sich zur Erreichung dieses Zieles die Interventionellen Verfahren herausgestellt da hierbei die Medikamente zur Blockierung der Schmerzrezeptoren und Entzündungshemmung zielgenau an ihren hauptsächlichen Wirkungsort gebracht werden können und daher die benötigte Substanzmenge und somit auch eventuelle Nebenwirkungen reduziert werden. Die „Spritze“ gelangt per Navigation quasi direkt zum Ursprung des Schmerzes.

Aufgrund der mittlerweile mannigfaltigen konservativen und operativen Möglichkeiten ist es dem einzelnen Arzt heutzutage kaum noch möglich, seinen Patienten umfassend über sämtliche Behandlungsmöglichkeiten zu informieren, weshalb die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachrichtungen die Erfolgschance erhöht.

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